Forum für Camper-Selbstausbauer!

Für angedachte, geplante, halbfertige und fertige Wohnmobilausbauten.

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von bodo48
#1
Nachdem mir im Sommer auf dem Weg übern Balkan ein Bremsbelag zerbröselt ist, mußte ich zum Belagwechseln die Vorderräder abmontieren. Zu meinem Entsetzen war das nur unter größter Kraftanstrengung mit langem Hebelrohr möglich. Die meisten Schrauben saßen derart fest, dass ich Angst hatte, die Gewinde zu vermurksen. Nicht nur beim Lösen, sondern auf der gesamten Gewindelänge. Eine Schraube ließ sich anschliessend nicht mehr eindrehen, ich mußte erst die vordersten Gewindegänge abflexen.
Die übrigen Schrauben gingen auch sehr schwergängig rein, obwohl ich sie mit der Drahtbürste bestmöglich gereinigt habe.
Alles kein Spaß, bei über 30°C in der prallen Somme am Straßenrand.

Wie läßt sich so etwas verhindern? Ich will künftig auf Ganzjahresreifen umrüsten, die Räder werden dann nur noch selten abmontiert. Ich möchte dann keine böse Überraschung erleben, wenn ich mal einen Plattfuß habe.
Ist es eine gute Idee, die Gewinde zu schmieren, wenn womit? Fett, Kupferpaste, Teflonspray? Bei meinen Recherchen im Netz komme ich leider nicht weiter. Die einen sagen ja, die anderen sagen Gewinde ja, Konus nein, noch andere sagen verboten, unzulässig, Schrauben lösen sich.
Viele Meinungen, aber keine belastbaren Quellen. Kennt vielleicht jemand solche Quellen, Vorschriften der Hersteller, Sachverständigen-Gutachten o.ä.?
#2
Kauf dir nen Satz neue Radschrauben und dreh an der Nabe mal in jedes Gewinde einen Gewindebohrer rein, um es sauber zu kriegen. Dann mit Druckluft ausblasen.
Neue Schrauben ohne weitere Zusätze mit 180 Nm festziehen.

Hatte mal einen Verschraubungslehrgang, da wurde das Fetten von Gewinden fast schon unter Todesstrafe gestellt.. :rofl:
Mein Vater hat das zeitlebens gemacht, ist auch nie verunglückt, aber ich würds trotzdem nicht machen.
w112 gefällt dies
#4
Richtig festgerostete Radschrauben hatte ich vor 40 Jahren auch mal.
Dank Verlängerung habe ich 2 von 5 davon lösen können, die nächsten zwei abgerissen.
Also alles wieder rein und vorsichtig zur nächsten Werkstatt zur Montage neuer Stehbolzen.
Seither mit schlechtem Gewissen dünn mit Kupferpaste "fetten" oder nicht.

An meinem alten Nissan waren vor Jahren recht clevere Radkappen montiert.
Die hatten geschlitzte Hülsen mit einer Ringfeder drumrum, die genau auf die Schraubenköpfe gesteckt wurden.
Ich hab's mal probiert und eine gelockerte Schraube entsprechend markiert. Sie hat sich nach ca. 15-20 km kein Stückchen weitergedreht.

Andererseits hab ich mal meinen DB406 nach einer Bremsreparatur aus der Vertrags-Werkstatt geholt und nach ca. 100 km anschliesender Urlaubsfahrt an der Ampel ein eigentümliches Ruckeln vorn bemerkt. Von den insgesamt 10 Muttern waren 2 am Ende der Stehbolzen, 3 weitere konnte ich mit den Fingern drehen. Rückfrage bei der Werkstatt "Vermutlich nur handfest angezogen, der Kunde soll nach 100 km sowieso nachschauen".

Und einmal eine Radschraube beim Käfer in der Radkappe gefunden. Sie hat sich wohl unterwegs gelöst und durch die Fliehkraft in der geschlossenen Radkappe "ruhig" verhalten. Erst beim Einfahren auf den Hof war die Geschwindigkeit zu klein und die Schraube kullerte wie in einer Waschmaschine.

So, genug der Geschichten und die Erkenntnis daraus, Radschrauben sind so ziemlich die wichtigsten am Auto.

Gruß Manfred
#5
bodo48 hat geschrieben: vor 2 Wochen Ist es eine gute Idee, die Gewinde zu schmieren, wenn womit? Fett, Kupferpaste, Teflonspray?
Öhhhh - nein.
Schmiermittel haben an Radbolzen - oder anderen, sicherheitsrelevanten Fahrwerksteilen gar nichts verloren.
Ein Schlagschrauber hilft, die Schraube von Rost und Nabe zu "brechen" - das vereinfacht ein Entfernen wesentlich. :slight_smile:
Ich nutze dafür einen HAZET 902-1SPC - die Baumarktteile sind in einer solchen Situation völlig überfordert. :sunglasses:
Danach das Gewinde der Nabe mit entsprechenden Schneidern nacharbeiten.
Schrauben verrostet? Ersatz beschaffen. Das "Reinigen" der Schrauben mit Drahtbürste und Co. hinterlässt genug Rost, dass die Oxidation unmittelbar nach der Montage wieder beginnt.
Oft sind auch die billigsten Bremsrotoren an beschleunigtem Rosten der Schrauben und Gewinde beteiligt. Wer billig kauft, flucht zweimal. :confused:

Viel Erfolg!

Volker
w112 gefällt dies
von bodo48
#6
Mir ist das Fetten der Gewinde ja auch nicht sympathisch. Habe ich auch noch nie gemacht. Ich hatte aber in meiner fast 50-jährigen Schrauberkarriere auch noch nie so festgerostete Radschrauben. Ich bin es eigentlich gewohnt, dass die Schrauben sich mit der Hand eindrehen lassen.
Seltsam finde ich, dass sich nirgendwo Werksvorgaben zu dem Thema finden lassen.
Ich werde wohl neue Schrauben kaufen und die Gewinde in den Radnaben nacharbeiten. Und dann hoffen, dass die sich in einigen Jahren leichter lösen lassen als die alten.
calalalaudio gefällt dies
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von w112
#7
Wie bereits von anderen weiter oben erwähnt, kaufe Dir einen kompletten Schraubensatz und einen Gewindebohrer um die Gewinde an der Nabe nachzuschneiden bzw. zu reinigen. Und dann ohne Schmierung mit Drehmomentschlüssel gemäss Herstellervorgabe die neuen Schrauben anziehen. Falls Du Deine Inspektionen selbst machst, schreib Dir auf die Checkliste "Radmuttern lösen und anziehen", wenn nicht, bitte die Werkstatt darum. An meinen Oldtimern müssen die Räder normalerweise nur alle vier bis 6 Jahre runter. Deshalb steht das auf meiner Checkliste für die Jahresinspektion.
gonefilming gefällt dies
#8
bodo48 hat geschrieben: vor 2 Wochen Seltsam finde ich, dass sich nirgendwo Werksvorgaben zu dem Thema finden lassen.
Ich bin jetzt fern von Renault Themen, aber es gibt Werkstatthandbücher (z.B. [Externer Link für Gäste nicht sichtbar]). :nerd:
Und ist der Master III nicht weitestgehend baugleich mit dem Opel Movano und Nissan NV400? Da dürfte es auch Doku geben.
bodo48 hat geschrieben: vor 2 Wochen Ich werde wohl neue Schrauben kaufen und die Gewinde in den Radnaben nacharbeiten. Und dann hoffen, dass die sich in einigen Jahren leichter lösen lassen als die alten.
Guter Plan. :slight_smile: :thumbsup:
von bodo48
#9
gonefilming hat geschrieben: vor 2 WochenIch bin jetzt fern von Renault Themen, aber es gibt Werkstatthandbücher
Ich habe die kompletten Renault-Reparaturunterlagen, mit denen auch die Werkstätten arbeiten. Da steht leider nichts Konkretes zum Thema.
Auch in anderen Werkstatthandbüchern habe ich bisher noch nichts dazu gefunden. Werde auch nicht weiter recherchieren. Neue Schrauben, Gewinde nacharbeiten und fertig.
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von w112
#10
Hallo Bodo

Das ist eine sehr gute Entscheidung. Lasse Fette oder Öle weg und löse die Schrauben jährlich um diese dann mit dem Drehmomentschlüssel nachzuziehen. Es gibt am Camper ja eh immer jährliche Wartungsarbeiten zu erledigen. Das kommte eben mit auf die Liste und Du bist auf der sicheren Seite. Gut, dass es dieses Forum gibt. Mir hat es schon öfter auf die Sprünge geholfen.
bodo48 gefällt dies