Forum für Camper-Selbstausbauer

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#1
Hallo.
Ich wurde von Andolini gebeten, mein Projekt hier zu veröffentlichen.
Also nochmal etwas ausführlicher.

Mich hat schon lange der Gedanke beschäftigt, mir etwas mehr Komfort im Campingbus zu gönnen. Dazu gehört in erster Linie ein kühles Bier und vor allem warmes Brauchwasser zum Waschen, duschen und spülen. Da ich mit dem Camper im Urlaub fast jeden Tag unterwegs bin, und als Unruheständler mittlerweile immer Urlaub habe, kam mir die Idee, die Wärme des Kühlwassers zur Erwärmung des Brauchwassers zu nutzen. Bei längeren Aufenthalten auf Campingplätzen kann die direkt angeschlossene Eberspächer Hydronic die Aufheizung übernehmen. Als dritte Beheizungsmöglichkeit habe ich bei Verfügbarkeit von Landstrom noch eine 230 V Heizung eingebaut.

Die Geräte, die der Handel so bietet, waren mir ganz einfach zu teuer. Da ich kein Gas an Bord habe, schieden diese Boiler ebenfalls technisch gesehen aus. Der Warmwasservorrat sollte schon für zwei Tage reichen. Dazu zählen die persönliche Körperpflege für zwei Personen genau so dazu, wie der Abwasch von Geschirr oder auch mal das auswaschen von Kleidungsstücken. Der Boiler sollte relativ leicht sein und alle Anschlüsse auf der Vorderseite haben. So entschied ich mich für ein einfaches Ausdehnungsgefäß eines Hauswasserwerkes mit 25 l Inhalt und 8 bar Arbeitsdruck. Die werden im einschlägigen Versandhandel im Internet bereits ab 15,-€ angeboten. Der Behälter besteht allerdings nur aus Schwarzblech und muß innen gegen Korrosion mit Farbe geschützt werden.
1 Kessel.jpg
Der originale Deckel ist nicht zu verwenden und wurde inclusive der Gummiblase entfernt. Der Schraubflansch mit den Gewinden für den Deckelflansch besteht zwar auch nur aus Blech, ist aber durchaus ausreichend und brauchbar.

Als nächstes habe ich an der tiefsten und an der höchsten Stelle ein Wasserzulauf sowie ein Wasserablauf mit 3/8" Aussengewinde von vorn eingeschweißt, bevor der Tank innen mit Farbe behandelt wurde. Eine 4mm Stahlronde (beim bekannten Warenhaus in der Bucht für 5,-€ erstanden) sollte der neue Deckel werden und wurde zur Aufnahme der beiden Wärmetauscher entsprechend gebohrt. Die sechs Befestigungsborungen habe ich vom Originaldeckel übertragen und ebenfalls gebohrt.
2 Deckel.jpg
Dann ging es darum aus handelsüblichen 15mm Kupferrohren einen Wärmetauscher zu löten. Ich habe 3 Schleifen mit Fittingen entsprechend verlötet und abgedrückt, um die Dichtheit zu testen.
4 Wärmetauscher2.jpg
Der Wärmetauscher wurde mit zwei Ermeto-Winkelverschraubungen in den Deckel eingesetzt. Zusätzlich kam noch eine 900 Watt Elektroheizschlange zum Einsatz, die beim Aufenthalt auf Campingplätzen die Wärme liefert.
3 Wärmetauscher.jpg
Die einzige Schwierigkeit dabei bestand darin, alles so kompakt zu machen, dass es auch durch die Öffnung des Verschraubflansches passt. Das Ganze wurde in den Behälter eingebaut und der Deckel mit Gummidichtung verschraubt. Als Dichtung habe ich von der ursprünglichen Gummiblase den Dichtring abgeschnitten.

Dann nochmal eine Dichtheitsprüfung. Also wieder mit Wasser befüllt und wiederum mit 5 bar Leitungswasserdruck abgedrückt. Alles war auf Anhieb dicht.

Der Einbau erfolgte genau unter der Spüle im Schrank. Die vorhandenen Füße am Boiler wurden mit Schlossschrauben am festen Schrankboden befestigt.
6 Spülenschrank.jpg
Anschließend wurde der verbliebene Raum um den Boiler mit Dämmwolle komplett ausgestopft, um eine größtmögliche Isolierung zu erreichen. Der Wasserinhalt hat nach 12h immer noch ca 60°C. Die 25 Liter Brauchwasser heizen sich nach bereits einer Stunde Fahrt auf 80°C auf. Die Elektroheizung ist nicht ganz so fix, aber da sie ziemlich weit oben eingesetzt ist, braucht sie auch nicht den gesamten Inhalt aufzuheizen. Außerdem ist sie über ein elektronisches Thermostat regelbar.

Ein Dreiwege-Ventil im Rücklauf kann den Boiler bei Nichtgebrauch natürlich vom kompletten Kühlkreislauf trennen. Genau so wird dann beim Betrieb mit Standheizung nur der Kreislauf des Boilers und der Aufbauheizung befeuert. Und die Heizung liefert nur dann Wärme, wenn das Gebläse läuft. Also auch im Sommer kein Problem.

Für die Überwinterung wird der komplette Boilerinhalt sowie die Leitungen über einen Ablasshahn abgelassen.

Anbei mal ein einfaches Prinzipschaltbild des Ganzen.
Schaltplan.jpg
Der Aufwand für den Bau dieses Warmwasserboilers beläuft sich auf ca 45,- € und ca 5 Arbeitsstunden inclusive Nachdenkpausen.

Durch diesen DIY-Boiler habe ich für wirklich kleines Geld genau den selben Komfort, wie zuhause. Den Schwierigkeitsgrad für Selberbauer schätze ich auf mittel ein. Schweißen zum Beispiel kann man beim Fachmann erledigen lassen. Das Löten der Fittige ist halb so wild und leicht zu lernen.

Ich wünsche viel Spaß beim Nachbau und das Vergnügen, etwas eigenes und wichtiges geschaffen zu haben.

Gruß Wolfgang
Andolini, 997, vancool'o und 7 andere gefällt dies
#2
Hallo Wolfgang,
vielen Dank für die tolle Beschreibung.
Ich habe noch nicht ganz verstanden wie du das 3-Wege-Ventil schaltest wenn du nur mit der Wasserstandheizung arbeitest. Müsste dann nicht im Vorlauf vom Motor her auch ein Ventil sitzen oder ist dies überflüssig weil das Wasser sowieso nur den Weg zurück zur Heizung nehmen kann? Die Wasserstandheizung hat eine eigene Pumpe nehme ich an ? Was hältst du davon das 3-Wege-ventil nach der Standheizung zu plazieren? So könnte man diese ja auch weiterhin noch nutzen um den Motor vor zu wärmen ohne den Umweg über den Boiler zu gehen.

Vielen Dank und beste Grüße
Michael
#3
Hallo Michael

Es ist richtig, wie du es sagst. Der Dreiwegehahn sollte nur entweder den Vorlauf oder den Rücklauf absperren können. Das Wasser zirkuliert nur im hinteren Kreislauf.Der jeweils nicht abgesperrte Strang muss unbedingt offen bleiben, wegen des Druckausgleichs bei Erwärmung. Das erspart ein weiteres "Ausdehngefäß".
Ein Versetzen des Dreiwegehahnes ist in meinem Fall nicht sinnvoll. Wenn ich die Standheizung an hab, brauche ich sowohl Raumwärme als auch warmes Wasser.Wenn der Boilerinhalt warm ist, dann ist er nur noch ein "durchlaufender Posten" und entnimmt dem Kreislauf kaum noch Wärme. Die Wärmeabgabe an das Heizregister ist dabei viel gleichmäßiger, weil der Boilerinhalt wie ein Wärmepuffer wirkt.
Ausserdem habe ich im Motorraum noch einen weiteren dieselbetriebenen Zuheizer, den ich als zweite Standheizung nutzen kann.

Gruß Wolfgang
#4
Das ist ja eine super Sache. Die Umsetzung ist echt top.
Wie sieht es denn mit der Wärme im Schrank ohne Isolation aus? 25l Wasser bei 80° können ja schön den Wohnraum heizen. Im Herbst und Winter sicher toll, aber im Sommer könnte das ungewünscht sein. Ich könnte mir vorstellen das Teil noch mit einer schönen Schicht Armaflex zu isolieren, dann bleibt der Speicher auch länger warn.
#5
Wolfgangfox hat geschrieben: vor 6 MonateAnschließend wurde der verbliebene Raum um den Boiler mit Dämmwolle komplett ausgestopft, um eine größtmögliche Isolierung zu erreichen
Keine Probleme.....
Gruß Wolfgang
#7
 ! Nachricht von: Andolini
 Da wir hier im Bereich der Wissensdatenbank sind und die letzten Beiträge nichts direkt dazu beitragen, löschen wir diese nach einer Woche.

Gruß Thomas