Forum für Camper-Selbstausbauer!

Für angedachte, geplante, halbfertige und fertige Wohnmobilausbauten.

Tagebücher die den Camperausbau beschreiben
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#1
Hallo liebe Ausbauer,
nachfolgend möchte ich zeigen wie unser Ausbau aussieht. Wir sind fast fertig, von daher ist es weniger ein Tagebuch. Es fehlt allerdings noch die Standheizung, der Bodenbelag, Moskitonetze für die Türen, Regenrinne für die Schiebetür, die ein oder andere Lampe ...
Ganz fertig ist man wohl nie :wink:

Idee ist es allen die noch ausbauen wollen unsere Gedanken und Beweggründe zum Ausbaukonzept zu erklären. Nachdem wir selbst von allen möglichen Internetbeiträgen profitieren konnten, hoffe ich das dies Anderen bei der Entscheidungsfindung und vielleicht Bauphase hilft.

Der Fokus hier ist das fertige Ergebnis und zu erklären warum wir uns dafür entscheiden haben. Bei Fragen zu bestimmten Details kann ich aber gerne nochmal nach Bildern während der Ausbauphase suchen. Über Fragen oder Kommentare freue mich natürlich.

Die Beschreibungen erfolgen schrittweise, je nach verfügbarer Zeit
Grüße
Peter
Andolini gefällt dies
#2
Außenbilder
Und so sah der Anfang aus, wie die meisten von Euch ihn sicher kennen:
Ein nackter Kasten in tristem Weiß, eben ein Gewerbefahrzeug
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Und so sieht er jetzt aus. Ein paar Kleinigkeiten haben sich da schon geändert :relaxed:
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DNA, calalalaudio gefällt dies
#3
Fahrzeuauswahl
Wir wollten unbedingt ein Fahrzeug was wir problemlos auf normalen Parkplätzen parken können, sowohl bei uns vor der Haustür als auch in Innenstädten. Auch das Rangieren in südeuropäischen Gassen sollte möglich sein ohne zittrige Knie oder Angstschweiß auf der Stirn zu bekommen. Daher wollten wir nicht mehr als 5,4m Fahrzeuglänge, also L2. Bei 6m (L3) war die Fahrzeugauswahl größer und die zusätzlichen 60cm im Innenraum ließen sich natürlich auch prima für den Ausbau nutzen. Aber zusätzliche 60cm sind beim Parken und Rangieren doch wieder ein gutes Stück sperriger. Nicht unmöglich, aber nicht der richtige Kompromiss für uns. Die Höhe ist natürlich H2. H3 wäre von der Stehhöhe noch besser ist aber bei L2 nicht verfügbar. Und wäre von den Proportionen bei 5,4m Länge wahrscheinlich doch ein wenig arg klobig.

Bei 5,4m Länge kommt nur Querschlafen in Betracht. Nachdem ich 1,90m groß bin, standen aufgrund der Fahrzeugbreiten nur Ducato, Boxer oder Jumper zur Auswahl. Sprinter oder Crafter sind ein wenig zu schmal.

Auf der Must-Have Ausstattungsliste standen: Euro6, max. 100tkm, Klimaanlage, Tempomat

Geworden ist es dann:
Peugeot Boxer, L2H2, Baujahr 2017, 2.0 BlueHDI, 120kW/163PS, Luftfederung hinten, Tempomat, Klimaautomatik, elektr. anklappbare Außenspeigel, MF-Lederlenkrad, Fahrer-„Schwingsitz“, Rückfahrkamera, Parksensoren hinten, Anhängerkupplung, Fahrtenschreiber.

Super ist die Luftfederung: Zum Runterfahren beim Ein-/Ausladen der Vespa und um eine gewisse Schieflage auf Stellplätzen ausgleichen zu können ohne immer Auffahrböcke verwenden zu müssen. Über den Fahrkomfort kann ich nichts sagen, da ich keinen Vergleich habe.

Der Fahrtenschreiber hat mich einige Nerven gekostet. Darauf hätte ich gerne verzichtet. Dazu evtl. später mehr, bzw. bei Interesse.
calalalaudio gefällt dies
#4
Ausbaukonzept - Anforderungen
Wir hatten im Vorfeld viel recherchiert, uns fertige Ausbauten basierend auf Kastenwagen angesehen und unsere eigenen Anforderungen hin und her gewälzt. Letztlich waren für uns folgende Punkte wichtig:
  • Personenzahl: Das WoMo wird nur für 2 Personen genutzt; meine Frau und mich. Wir brauchen daher keine weiteren Sitzplätze. Weder die Beifahrer-Doppelsitzbank vorne, noch eine zusätzliche Sitzbank hinten (Dinette)
  • Kochen und Heizen: Eine Gasanlage wollten wir nicht. Heizen mit Standheizung funktioniert über Diesel, der Kompressor-Kühlschrank läuft über Strom (gespeist über Solar). Und nur zum Kochen ist Platzbedarf und Aufwand für eine Gasanlage zu hoch.
  • Badezimmer: Alle fertig ausgebauten Vans die wir gesehen haben hatten ein separates Badezimmer mit Dusche. Das ist natürlich prima, benötigt allerdings einen hohen Platzanteil; erst recht bei 5,4m Länge. Diesen Platzbedarf wollten wir nicht investieren. Eine Toilette war hingegen ein Muss.
  • Raumnutzung: Auch als Folge von Badezimmer und Dinette bleibt meist nur ein schmaler Gang in der Mitte. Das war uns zu eng um sich zu zweit zu bewegen, Schubladen zu öffnen etc. Wir wollten uns in dem geringen verfügbaren Raum dennoch halbwegs komfortabel zu zweit zeitgleich bewegen können (kochen, anziehen etc.).
  • Tisch mit Sitzen: Nachdem wir in erster Linie in den „warmen“ Jahreszeiten bzw. Ländern unterwegs sein wollen, möchten wir natürlich möglichst draußen sitzen und essen. Da dies aber nicht immer möglich ist, muss es eine Sitzmöglichkeit mit Tisch geben welche jedoch bei Nichtbenutzung keinen Platz benötigt.
    Eine Sitzgruppe welche durch ein Umklappen des Bettes entstehen würde wäre sicher platzsparend. Das Bett soll jedoch benutzbar sein ohne Umbaumaßnahmen. „Bettenbauen“ wollten wir nicht.
  • Vespa: Wir wollen in den Urlaub unbedingt unsere Vespa mitnehmen können. Am besten zusammen mit den Fahrrädern
#5
Ausbaukonzept - Entscheidung

Mit den oben genannten Anforderungen ergab sich nach vielen Stunden der Planung für uns folgendes Konzept:
  • Kochen: Theoretisch gab es für uns drei Möglichkeiten um ohne Gasanlage auszukommen: Elektrisch, Gaskartuschen oder Spiritus. Elektrisch war mir zu stromintensiv und bei Gaskartuschen- und Spirituskochern haben wir genau NULL Kocher finden können welche für ein Benutzung im Innenraum zugelassen sind und damit auch heute noch eine TÜV-Abnahme bekommen können. Einzige Möglichkeit war ein Spirituskocher dessen Produktion aber leider eingestellt wurde (ich glaube 2019). Seitdem sind die Gebrauchtpreise dafür explodiert. Letzter Neupreis war bei ca. 180€. Gebraucht liegen die Geräte derzeit bei 300€ aufwärts. Es gibt im Internet sogar „Leihangebote“ nur für die WoMo-Zulassung. Trotz des Preisanstiegs haben wir uns dafür entscheiden und ein gebrauchtes Gerät gekauft und zwar:
    Dometic (bzw. vormals Electrolux) Origo 3000 (2-flammige Version, gibt es auch ein-flammig als Origo 1500)
    Achtung: Es gibt einen Nachbau des Geräts (heißt auch 3000). Die Heizleistung ist aber angeblich deutlich geringer und vor allem hat er nach meinen Recherchen keine Innraumzulassung. Im Zweifel aber bitte selbst nochmal prüfen, will da nichts Falsches behaupten.
  • Badezimmer: Das separate Badezimmer entfällt.
    Ein Waschbecken brauchen wir nicht, da wir die Küchenspüle haben.
    Ein Klo ist in einer der Schubladen eingebaut und kann benutzt werden ohne es raus zu heben (nur Schublade auf).
    Die Küchenarmatur hat einen Ausziehschlauch. Die Armatur kann damit durch das Küchenfenster gezogen werden und wir können uns falls nötig und möglich auch draußen duschen (haben wir schon gemacht, klappt gut). Alternativ hatten wir über einen Anschluss im Heck beim Wassertank nachgedacht, aber wieder verworfen. Grund: Beim Duschen gibt es Pfützen und ggfs. Matsch. Am Heck ist das störend, da man da immer mal wieder ranmuss. Beim Küchenfenster stört es keinen und wir können die ohnehin existierende Küchenarmatur verwenden
.
  • Tisch und Sitz werden als Auszug konstruiert um keinen Platz bei Nichtbenutzung zu benötigen. Die Beifahrer-Doppelsitzbank haben wir gegen einen Einzelsitz mit Drehkonsole getauscht. Das gibt eine zusätzliche Sitzmöglichkeit zum Chillen und zusätzlichen Raumgewinn zum „Hauptraum“.
  • Die Vespa ist im Heck untergebracht. Klappkonstruktionen beim Bett wollten wir ja vermeiden. Um die Vespa hinten einladen zu können ist das Bett daher als Hub-Bett konstruiert. Falls wir irgendwo nächtigen wollen wo wir die Vespa nachts nicht rausschieben können oder wollen, können wir zur Not auch „höhergelegt“ schlafen. Ist enger aber geht zur Not.
    Für einen Fahrradträger haben wir uns noch nicht entschieden. In jedem Fall einen der zur Seite schwenkbar ist, damit die Vespa rein und raus kann. Derzeit schwanke ich zwischen
    a) Klassischer Träger der an der rechten Hecktür angebracht wird und
    b) Schwenkträger der an der Anhängerkupplungsplatte angeschraubt wird; eine Art Zwischenstück an dem dann wieder ein normaler AHK-Fahrradträger angebracht wird.
    Bei a) graut mir vorm ständigen Hochhieven der Räder. Bei b) verlängert sich die Fahrzeuglänge bei Nichtbenutzung und die Parksensoren müssten sicherlich deaktiviert werden, sonst gibt’s Dauerpiepsen. Mal sehen.
#6
Und nun natürlich noch einige Fotos

Im Hintergrund die Küche mit Spüle und Kocher (normalerweise unter Abdeckplatte versteckt).
Im Vordergrund die Holzkiste mit der Kühlbox
Das Hubbett ist gerade ganz nach oben gefahren
EM137621.jpg


Falls wir drinnen sitzen bzw. essen müssen verwenden wir den Ausziehtisch unter dem Bett. Einer sitzt auf der Kiste mit der Kühlbox. Der andere auf einem Ausziehsitz des Küchenblocks (Schwerlastauszug). Der Tisch ist relativ klein (ca. 75x50cm. Ist aber kein Problem, da wir beim Essen das Bett hochfahren und dann auf der Platte unter dem Bett eine riesige Abstellfläche für Schüsseln, Flaschen etc. haben.
Bei anderen Ausbaukonzepten haben wir oft eine "Sitznische" für einen der Sitze gesehen (Vertiefung im Küchenblock). Das wollten wir vermeiden, da sonst der dort Sitzende nicht aufstehen kann ohne dass der Tisch eingefahren wird.
EM137630.jpg
Gleiche Perspektive aber mit herunter gefahrenem Hubbett
EM137632.jpg


Der Küchenblock ohne die Abdeckplatte des Kochers ...
EM137628.jpg
... und der Kocher selbst. Wie vorher beschrieben gebraucht gekauft. Optisch sieht man die Spuren der Benutzung, Funktion ist aber einwandfrei.
Vor und hinter dem Kocher ist relativ viel Patz - vorne zum Bedienen der Knöpfe und hinten um den Kocher vollständig aufklappen zu können (Befüllen der Spirituskartuschen)
EM137645.jpg

Links die Kiste mit der Kühlbox. Die wohlbekannte Mobicool. Die hatten wir bereits vorher einige Jahre beim Zelten im Einsatz und funktioniert prima.
Der Deckel der Kiste ist geteilt. Somit kann man auf der Kiste ganz am Rand beim Bett sitzen und die Kühlbox dennoch öffnen. Außerdem verwenden wir den Platz neben der Kühlbox noch zum Lagern von z.B. Flaschen. Dann muß man falls da etwas entnommen werden soll nicht immer die Kühlbox mit öffnen.
Die Schließsperre des Kühlboxdeckels habe ich entfernt. Der Deckel hängt an einer Schnur am Kistendeckel. Sehr praktisch, da man nur einen Deckel öffnen muß um die Kühlbox zu öffnen. Beide Kistendeckel haben gedämpfte Scharniere, daß die Deckel nicht zuknallen.
Um einen Hitzestau in der Kühlboxkiste zu verhindern ist vorne ein Lüftungsgitter angebracht. In der Kiste ist ein Lüfter installiert, der die Luft nach hinten unter das Bett bläst. Der Lüfter hängt elektrisch mit an der Kühlbox, läuft also nur wenn die Kühlbox anspringt.
EM137625.jpg
DNA, calalalaudio gefällt dies
#7
Hört sich toll an. Insbesondere das Hubbett interessiert mich sehr. Ich habe aktuell noch einen L1H1, soll aber vielleicht (die bessere Hälfte will sich nicht trennen) gegen L2H2 getauscht werden. Da wäre das Hubbett eine Variante, um die Fahrräder drunter zu schieben. Meinen Honda Roller nehme ich nach jetziger Lage nicht mit. Mir gefällt die Bewegung im Urlaub.
Ein paar detailliertere Bilder vom Hubbett kommen noch. Fahrräder sind leider eher größer als die Vespa. Zumindest muß man wahrscheinlich das Vorderrad rausnehmen. Und ja, Bewegung ist super, aber mit der Vepa cruisen ist auch ziemlich cool (hat nur 50ccm) :sunglasses: Deswegen hätten wir gerne beides.
Bei der Armatur in der Küche habe ich übrigens auch eine mit Brausemöglichkeit. Habe das bislang nur mal zum Abbrausen der Beine und Füße nach dem Strand genommen. Welche habt Ihr denn gewählt?
Nennt sich "RK Reich TREND-E Einhebelmischer mit Brause JULIA". Ist optisch "ok" und die Brause hat zwei verschiedene Strahlarten - eng zum Spülen und breit zum Duschen.
Zum Einzelsitz: woher habt Ihr den? Neu oder gebraucht? Leider werden die Busse immer mit Doppelsitzbank gebaut.
Haben wir bei ebay Kleinazeigen erstanden. Schweinepreise. Unserer hat stolze 800€ gekostet. Gibt halt so wenige. Ein echter Verkäufermarkt. Fahrersitze sind deutlich günstiger, passen aber nicht auf der Beifahrerseite.
Apropos, was ich neulich gelesen hatte (weiß nicht mehr wo): Die Ausbauer in England haben das gleiche Problem. Es könnte deutlich günstiger sein einen Rechtslenker-Fahrersitz in England zu organisieren als unsere Beifahrersitze der Linkslenker-Autos
Beim Fahrradträger würde ich lieber einen für die AHK nehmen. Wenn es dann mal ein E Bike ist, wird es für die Hecktür zu schwer. Bei der Hecktür kann es übrigens sein, dass die irgendwann schwergängiger wird. Das passiert, wenn man die nicht täglich mehrmals öffnet und schließt. Ist bei mir auch so gekommen. Mit Abschmiernippel kann man das auf unkonventionelle Art beheben. Tipp hatte ich von einem Bekannten, der hatte auch das Problem.
Ja stimmt. Wobei E-bike noch nicht auf der Wunschliste steht (wenn schon Bewegung dann richtig, ansonsten Vespa; außerdem möchte ich nicht immer Bedenken haben das es geklaut wird).
Das mit den Scharnieren hatte ich schon. Die linke Tür war demoliert und extrem schwergängig. Viel Schmieren hat aber letztlich geholfen. Momentan gehen beide Türen prima.
#8
Bedenken wegen Benzingeruch hatte ich anfangs auch. Zur Probe hatten wir vor Ausbaubeginn die Vespa einfach mal eine zeitlang in den Transporter gestellt um zu sehen/riechen ob es unangenehm wird. Ergebnis: Keinerlei Benzingeruch wahrnehmbar.

Das mit den Bergfahrten durch Druckunterschiede im Tank macht natürlich Sinn. Extreme haben wir nicht getestet. Wir waren allerdings gerade im Urlaub und sind zwischen Meereshöhe und über 600m hin und hergefahren. Ebenfalls ohne Geruchsbelästigung. Ich bin also zuversichtlich. Hängt aber evtl. auch vom Roller ab. Wir haben ein alte Vespa PK XL2.
#9
Todschicker Wagen, Peter. Wirklich ein schönes, gut durchdachtes Konzept, das gefällt mir für einen 5,40m ohne Bad sehr gut. Nur: wir brauchen dringend Bilder von der Vespa :relaxed: , am Besten im Kastenwagen. Deshalb schon mal vorab die Frage: handelt es sich um eine klassische Smallframe oder ist es eine Modernvespa?

Schöne Grüße
Wolf
#10
Wolf hat geschrieben: vor 1 Jahr Todschicker Wagen, Peter. Wirklich ein schönes, gut durchdachtes Konzept, das gefällt mir für einen 5,40m ohne Bad sehr gut. Nur: wir brauchen dringend Bilder von der Vespa :relaxed: , am Besten im Kastenwagen. Deshalb schon mal vorab die Frage: handelt es sich um eine klassische Smallframe oder ist es eine Modernvespa?
Vielen Dank Wolf!
Ja, die Bilder kommen noch und es ist eine alte Smallframe Vespa, PK XL2 von 1994
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